Private-Equity: Profite durch Pflege

03. Mai 2026  Politik
Geschrieben von Kreisverband

Das gemeinnützige Sozialunternehmen Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) – hier das Luise-Kiesselbach-Haus in München – betreibt mehrere Einrichtungen in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin. Aber es gibt auch Private-Equity-Unternehmen, deren Ziel möglichst hohe Renditen sind. (KWA Kuratorium Wohnen im Alter, CC BY-SA 3.0)

Internationale Investitionsfonds erzielen mit dem Verkauf von Pflegeheimen hohe Gewinne für ihre Gesellschafter*innen. Doch das geht zulasten der pflegebedürftigen Senior*innen, kritisiert die Gewerkschaft ver.di. Deutschlandfunk Kultur widmete sich dem System „Private Equity“.

Hohe Rendite durch Pflege

Prognosen gehen davon aus, dass es 2050 in Deutschland mehr als 90 Millionen Über-80-Jährige gibt. Gleichzeitig gehen immer mehr Pflegeheime wegen des Fachkräftemangels pleite – denn gibt es zu wenig Personal, dürfen Zimmer nicht belegt werden, was massive Umsatzeinbrüche bedeutet. Hier kommen „Private-Equity-Unternehmen“ ins Spiel, deren Ziel es ist, Pflegeeinrichtungen profitabler zu machen, um sie dann gewinnbringend zu verkaufen. Ihren Investor*innen versprechen sie Rendite von bis zu 25 Prozent im Jahr. Pflege wird damit zum internationalen Rendite-Objekt.

Mit Gewinn verkaufen

Privates Kapital wird dabei außerhalb der Börse in Firmen investiert. Das Muster: Eine Private-Equity-Gesellschaft gründet einen Investitionsfonds, in dem neben sehr reichen Privatpersonen auch Pensionsfonds oder Versicherungen einzahlen. Mit diesem Geld kauft der Fonds Unternehmen auf der ganzen Welt aus verschiedenen Branchen – etwa Pflegeeinrichtungen –, entwickelt diese weiter und verkauft sie nach fünf bis zehn Jahren mit hohem Gewinn. Die Rendite ergibt sich somit aus dem Verkaufserlös. Die Gesellschaften nehmen zum Kauf neuer Unternehmen oftmals hohe Kredite auf.

Die Kosten senken

Professor Stefan Sell erklärt: „Das aufgekaufte Unternehmen muss die Kosten seines Kaufs bezahlen – also Überschüsse erwirtschaften, um den Kauf zu refinanzieren.“ Das habe eine hohe Belastung, etwa bei aufgekauften Senioreneinrichtungen zur Folge, gibt der Sozialwissenschaftler der Hochschule Koblenz zu bedenken. Kritiker*innen warnen davor, dass es durch diese Gewinnorientierung in der Pflege zu einem großen Druck, Kosten zu senken, komme – etwa beim Fachpersonal. Befürworter*innen weisen auf optimierte Abläufe, wie dem Outsourcing der Medikation durch externe Apotheken hin. Pflegekräfte hätten dadurch mehr Zeit für die direkte Arbeit mit den Menschen. Auch kosten- und zeitsparende Digitalisierungsprozesse werden hervorgehoben.

Hohe Gehälter im Management

Dem kann Marion Schäfer, Gewerkschaftssekretärin bei ver.di Westfalen in Dortmund und zuständig für die Beschäftigten im Pflegebereich, wenig abgewinnen. „Es kann nicht sein, dass das Gelddruckmaschinen auf Kosten der zu Pflegenden sind“, kritisiert sie das Private-Equity-System. Aus ihrer Sicht sollte es verboten werden, dass Konzerne an der Bedürftigkeit anderer verdienen.“ Denn schließlich belaufen sich die Gehälter im Management eines mittleren Private-Equity-Unternehmens bei rund 90.000 Euro plus Boni pro Jahr. Bei großen Konzernen, etwa mit Sitz in London, könne man jährlich bis zu 420.000 Euro verdienen.

Gegen Gewerkschaftsarbeit

In Deutschland gehören 59 Prozent der Senioreneinrichtungen freien gemeinnützigen Trägern wie der katholischen Caritas, den evangelischen Johannitern oder den Kommunen. 41 Prozent seien hingegen im Besitz privater Unternehmen. Eines davon ist Alloheim, Deutschlands größter privater Betreiber stationärer Pflegeeinrichtungen. Von den 291 Heimen gibt es jedoch nur in 30 einen Betriebsrat, der die Rechte der Beschäftigten vertritt. Im Oktober gab Alloheim bekannt, die Berliner Katharinenhof-Gruppe mit 27 Pflegeeinrichtungen aufzukaufen. 2025 folgten Übernahmen bei Münster und am Niederrhein. Die Kette war 2008 in der Trägerschaft des Private-Equity-Investors Star Capital Partners, wurde 2013 an den US-Finanzinvestor The Carlyle Group weiterverkauft und ist seit 2018 im Besitz von Nordic Capital, einem Priaty-Equity-Fonds mit Sitz auf Jersey, einer Steueroase im Ärmelkanal.

Staat greift nicht ein

Die Bürgerbewegung Finanzwende setzt sich dafür ein, Private-Equity-Unternehmen stärker zu regulieren und deren Ansiedelung in Steueroasen zu stoppen. Das würde jedoch bedeuten, dass der Staat sich mit einflussreichen internationalen Finanzakteuren anlegen müsse. Auch sei es aus Sicht von „Finanzwende“ Aufgabe der öffentlichen Hand, Pflegeheime zu bauen und zu betreiben. Die Bundesregierung unter Friedrich Merz will jedoch nur Medizinische Versorgungszentren (MVZ), die sich im Besitz von Private-Equity-Unternehmen befinden, stärker kontrollieren – die Pflegeheime aber nicht.

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