Transformation: Mit Schienen in die Zukunft

31. Januar 2026  Politik
Geschrieben von Kreisverband

Der Ausbau von Bahn- und Bus-Infrastruktur kann zu stärkerer Binnennachfrage und einer erfolgreichen sozial-ökologischen Transformation führen. Hier der München-Nürnberg-Express bei Feucht (Zug Videos Bilder, CC BY-SA 4.0).

Welche Möglichkeiten gibt es, aus dem erfolglosen Wachstumsdenken herauszukommen und eine bedürfnisorientierte Wirtschaft umzusetzen? Lukas Oberndorfer sprach bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung über die Politik der sozial-ökologischen Transformation.

China, USA und die EU

Da China bis auf Kohle kaum über eigene Energieträger verfüge, habe die Volksrepublik frühzeitig auf Elektrifizierung gesetzt, erläuterte Lukas Oberndorfer – ist das Land schließlich reich an Seltenen Erden. Möglich wurde dies durch das staatliche Eigentum im Energiebereich. „Das führte aber auch zu Extraktivismus, Repression und Ausbeutung der Arbeiter*innen“, beschrieb der Leiter der Abteilung Klima, Umwelt und Verkehr der Arbeiterkammer Wien die Folgen der autoritären Entwicklungsdiktatur. In den USA setze Donald Trump hingegen auf durch Fracking gewonnene fossile Energieträger und massive Investitionen in Künstliche Intelligenz. Die EU kippte das Verbrenner-Aus für 2035, der Chef der Lufthansa zweifelte die Klimaziele der Luftfahrt an und der österreichische Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer plädierte für kostenlose CO2-Zertifikate nach 2034 – entgegen der europäischen CO2-Bepreisung.

Reichtum und Emission

„Eine gelingende Klimapolitik funktioniert nur mit sozialer Gerechtigkeit“, betonte er. Das Ausklammern der sozialen Frage stärke hingegen die autoritär-fossile Stabilisierung, sodass rechtspopulistische Parteien sich als Vertretung „des kleinen Mannes“ gegen „die da oben“ inszenieren könnten. Und betrachte man private Investitionen, Immobilienbesitz und die Anlagen auf den Kapitalmärkten, sei in Österreich die untere Hälfte der Bevölkerung für lediglich 17 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. „Die reichsten 10 Prozent verursachen 56 Prozent des Treibhausgas-Ausstoßes“, benannte Oberndorfer die Hauptverursacher. Ein sozial-ökologischer Umbau müsse also hier ansetzen.

Wachstumsstrategie scheitert

Das deutsche Export-Modell stecke in der Krise, allein 2025 seien im Automobil-Sektor 50.000 Stellen abgebaut worden. Doch aufgrund der fehlenden Modernisierung bei den erneuerbaren Energien in Deutschland habe mittlerweile China die Rolle des Weltmarktführers bei Photovoltaik, Windkraft und Batterie-Technik übernommen. Und bei der Aufrüstung der Bundeswehr gingen von 10 Euro deutscher Steuergelder schließlich acht Euro an US-amerikanische Rüstungsfirmen – die Wertschöpfung mittels „Kriegskeynesianismus“ bleibt also aus. Da die exportorientierte Wachstumsstrategie gescheitert ist, bräuchte es ein binnen- und bedürfnisorientiertes Entwicklungsmodell.

Besser mit Bus und Bahn

Die Chance könne im sozial-ökologischen Umbau stecken. Aktuell sei die Mobilität noch fossil organisiert – inklusive schlechter Arbeitsbedingungen in der Produktion und persönlichem Stress beim Individualverkehr auf der Straße. „Künftig könnte die Bahn das Rückgrat des Verkehrs bilden, ergänzt durch gute Busanbindungen und ausgebaute Radinfrastruktur für kurze Strecken“, blickte er nach vorne. Die EU strebe eine Verdreifachung des Schnellzugverkehrs bis 2050 sowie eine Verdoppelung des Güterverkehrs an – wolle dies aber „dem Markt“ überlassen.

Arbeitsplätze durch Infrastruktur

„Um das zu erreichen, müssten 850 Milliarden Euro investiert werden“, nannte Oberndorfer eine Größenordnung. Alleine die Anschaffung neuer Züge führe zu Ausgaben von 46 Milliarden Euro pro Jahr – wobei jede investierte Milliarde die Schaffung von rund 4.000 neuer Arbeitsplätze bedeute. Deutschland sei mit Blick auf den Export von Zügen weltweit die Nummer 2 – habe also eine gute Ausgangsposition für solch eine künftige Entwicklung. Die österreichische Westbahn hat bereits vier neue Züge mit einer Fahrgastkapazität von mehr als 1.250 Personen im Einsatz – allerdings aus China. Die Fahrzeuge werden über 10 Jahre hinweg gemietet, Kostenpunkt 70 Millionen Euro. Dabei steht Österreich gar nicht so schlecht da. Denn im Stahlwerk Donawitz/Obersteiermark soll ab 2027 im Zuge des greentec steel-Stufenplans für eine grüne Stahlproduktion CO2-reduzierter Stahl für Schienen und Weichen hergestellt werden.

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