Das Recht auf Faulheit

19. Januar 2026  Theorie
Geschrieben von Kreisverband

Paul Lafargue (Grafik: Rosa-Luxemburg-Stiftung)

Sich vom kapitalistischen Arbeits-Fetischischmus zu lösen, um mit einer besseren Aufteilung mehr Freizeit zu haben, ist die zentrale Forderung von Paul Lafargue. Seine Schrift „Das Recht auf Faulheit“ war Thema im Theorie-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Revolution oder Arbeit?

In seinem Pamphlet „Das Recht auf Faulheit“ wirft Paul Lafargue der Arbeiter*innenschaft vor, der Arbeit hinterherzulaufen und es so der Bourgeoisie überhaupt erst zu ermöglichen, faul zu sein. Denn wenn man – statt ständig zu arbeiten – einfach mal Revolution machen würde, wären die Verhältnisse grundsätzlich anders. Lafargue wurde 1848 in Santiago de Cuba geboren, wohin seine aus Haiti stammenden Eltern fliehen mussten. Dort wurde der Vater, ein ehemaliger Weinhändler, zum Plantagenbesitzer und ließ Zuckerrohr und Tabak anbauen. Die Mutter hatte jüdische, aus Frankreich stammende Vorfahren. Als Paul 3 Jahre alt war, zog die Familie nach Bordeaux /Frankreich.

Die Internationale Arbeiterassoziation

Nach seiner Schulzeit begann Lafargue ein Medizinstudium in Paris und schloss sich der Opposition gegen Napoleon III. an. 1865 trat er der französischen Sektion der Internationalen Arbeiterassoziation (IAA) bei und kam durch Auguste Blanqui zur Erkenntnis, dass nur eine soziale Revolution die herrschenden Autoritäten abschaffen könne. Wegen der Vorbereitung eines revolutionär-atheistischen Studentenkongresses wurde er für zwei Jahre vom Studium ausgeschlossen, so dass er 1866 nach London zog, um dort weiter studieren zu können.

Exil in Spanien

Durch seine Arbeit in der IAA hatte er enge Verbindungen zu Sozialist*innen in Deutschland, Belgien und Spanien und lernte auch Karl Marx und dessen Tochter Laura kennen. Marx selbst betitelte seinen künftigen Schwiegersohn als „Neger“, „Abkömmling eines Gorillas“, „Afrikaner“ und „medizinischen Kreolen“, gestand aber auch, dass er ziemlich eifersüchtig auf ihn sei. Lafargue stieg in den Generalrat der IAA auf und kehrte nach der Heirat mit Laura 1868 nach Frankreich zurück. Während der militärischen Niederschlagung der Pariser Kommune flohen beide zuerst nach Bordeaux und weiter nach Spanien.

Letzte Ehre durch Lenin

Nach einer politischen Amnestie kamen sie 1882 nach Paris zurück, wo Lafargue die Parti ouvrier (Sozialistische Arbeiter*innen-Partei) gründete. 1911 begingen er und seine Frau Selbstmord, um nicht ins lähmende Greisenalter zu kommen und zur Last für sich und andere zu werden. Damit sie nicht das 70. Lebensjahr erreichten, spritzten sie sich Zyankali. Am Trauerzug nahmen 15.000 Menschen teil, darunter Alexandra Kollontai und Lenin aus Russland sowie Karl Kautsky für die deutsche Sozialdemokratie.

Arbeit als „erstes Lebensbedürfnis“?

In der Schrift kritisiert Lafargue die Forderungen der Arbeiter*innen-Bewegung von 1848, die auch das „Recht auf Arbeit“ beinhalteten. Zugleich macht er deutlich, dass die Moral der Bourgeoisie genussfeindlich sei – den Lohnabhängigen werde Enthaltsamkeit gepredigt, so dass sie mit ihrem sehr geringen Lebensstandard zufrieden sein sollen. Doch stünden den regulären 16 Arbeitsstunden am Tag keine ausreichenden Ruhe- und Erholungszeiten entgegen. Auch auf Seiten der Arbeiter*innen wird die Arbeit geradezu „heilig gesprochen“. So beschreibt Marx die Arbeit etwa als erstes Lebensbedürfnis – Lafargue bezeichnet sie hingegen als „schlimmste Sklaverei“. Er setzt ihr antike Tugend-Ideale wie Philosophie, Sport – und eben Nichtstun – entgegen.

Soldaten sollen arbeiten

Seiner Ansicht nach könne sich das menschliche Tier nur durch ausreichend Freizeit zum freien Wesen entwickeln. Doch stattdessen hätten die Arbeiter*innen das Loblied des Wachstums von den Ökonom*innen übernommen und sich zu eigen gemacht. Durch die massenhafte Produktion der Arbeiter*innen komme es zu einem Überangebot, so dass die Unternehmen auf Export in ausländische Märkte sowie Geldanlagen im Finanzmarkt setzen. Das Bürgertum selbst hat mit Millionen an Hausangestellten und dem stehenden Heer eine Unmenge an Personal geschaffen, das nicht im produktivem Arbeitsprozess tätig ist. Würden diese Menschen in die reale Arbeit eingegliedert werden, könnte die Arbeitszeit für alle auf 3 Stunden pro Tag reduziert werden. Die Menschen hätten durch die bessere Arbeitsverteilung also mehr Freizeit.

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