
Die Trennung von Mensch und Natur führt dazu, dass letztere als billiger Rohstofflieferant ausgebeutet werden kann. Dem setzt Jason W. Moore in seinem Buch die Einheit von Mensch und Natur entgegen, da die natürliche Umwelt Grundlage für das menschliche Überleben ist.
Mensch und Natur
Jason W. Moore betont in seinem 2020 auf Deutsch erschienenen Buch „Kapitalismus im Lebensnetz“ die Einheit beim Austausch zwischen der menschlichen Gesellschaft und der Natur – und hat mit „Eukaios“ einen eigenen Begriff dafür kreiert. So ist der Mensch in der Natur, die Natur jedoch auch im und durch den Menschen. Beide sind somit intern verknüpft, stehen also nicht in einem Gegensatz zueinander. Allerdings sei es in den vergangenen 500 Jahren zu der Auffassung gekommen, es gäbe eine äußere Trennung von der Natur, führt der Professor für Soziologie aus.
„Gegenstand“ Natur
Die Folge: Der Mensch – und später das Kapital – konnten sich die Natur aneignen. Die Natur wird mit wissenschaftlichen Methoden zahlenmäßig erfasst und standardisiert und so zum „Gegenstand“, den man ausbeuten kann. Auf diesem Weg entstand das kapitalistische Wertgesetz. Gleichzeitig erzeugt sich die Natur jedoch auch selbst – beispielsweise, wenn ein Wald wächst und so den „billigen“ Rohstoff Holz bereitstellt. In diesem Prozess ist Moore, der zu Weltgeschichte und Weltökologie lehrt, auch die menschliche Arbeit inbegriffen.
Teurer Verarbeitungsprozess
Für die Akkumulation des Kapitals ist es wichtig, dass es eine „billige“ Natur gibt, die dem Verwertungsprozess zugeführt werden kann. Die billige Natur umfasst dabei Arbeitskraft, Nahrung, Energie und Rohstoffe. In einem weiteren Buch ergänzte Moore diese noch um Fürsorge, Leben und Geld. Doch durch die voranschreitende Ausbeutung wird die Aneignung immer teurer. Der Grund: Die eigentlich „billige“ Natur verteuert sich durch die darauf folgende kostenintensive Weiterverarbeitung mehr und mehr – und wird somit für das Kapital zunehmend unrentabel. Deswegen muss das Kapital ständig neue Wege der Profitmaximierung suchen. Sind irgendwann jedoch keine weiteren günstigen Rohstoffe verfügbar, kommt es zu einer Unterproduktionskrise.
Vom Holz zur Kohle
Doch nicht nur der Mensch, auch die Natur – etwa in Form des Rohstoffs Kohle – kann den Kapitalprozess verändern. Das Brennmaterial fand seit 1530 Verwendung, doch kam der große Durchbruch erst Ende des 18. Jahrhunderts mit dem kapitalistischen Verwertungsprozess. Erste Veränderungen waren jedoch schon erkennbar, nachdem für den Schiffsbau der niederländischen Flotte zwischen 1600 und 1715 ganze Wälder in Norddeutschland, Polen und Südschweden weitgehend abgeholzt wurden.
Von der Kohle zum Öl
Die Konsequenz: Es mangelte an dem damals üblichen Brennstoff Holz, weswegen die Kohle zunehmend in den Fokus geriet – auch für die aufkommende Eisenverhüttung. Mit der Erfindung der Dampfmaschine potenzierte sich schließlich der Bedarf nach Kohle. Mit dem Energieträger Erdöl kommt es ab den 1950ern schließlich zu einer massiven Steigerung der Akkumulation und exponentiellen Wachstumsprozessen. Das zeigt sich seither im Energieverbrauch, den CO₂-Emissionen sowie der Erwärmung der Atmosphäre.
Weiterführende Links:
- RLS (5.6.2026): Jason W. Moore. Kapitalismus im Lebensnetz – https://www.youtube.com/watch?v=H-CPsdU9cdg
- Die Linke SC-RH (27.3.2026): Luxemburg. Akkumulation des Kapitals – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/theorie/luxemburg-akkumulation-des-kapitals/
- Die Linke SC-RH (8.12.2025): Weltunordnung. Klimakrise und globaler Kapitalismus – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/global/weltunordnung-klimakrise-und-globaler-kapitalismus/














