Luxemburg: Akkumulation des Kapitals

27. März 2026  Theorie
Geschrieben von Redaktion

Grafik: Rosa-Luxemburg-Stiftung

Ein Kapitalismus, der sich in alle Länder der Peripherie ausdehnt, bis er die ganze Welt umfasst – in „Die Akkumulation des Kapitals“ beschrieb Rosa Luxemburg den Zusammenhang von Wirtschaft und Imperialismus. Der Theorie-Podcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung befasste sich mit dem Buch.

Zirkulation des Kapitals

Das Buch „Die Akkumulation des Kapitals“ geht auf Luxemburgs Zeit als Lehrerin an der SPD-Parteihochschule zurück. Sie schrieb es, weil sie sich fragte, wie die Reproduktion der kapitalistischen Ökonomie funktioniere. Karl Marx hatte den zweiten Band zum Zirkulationsprozess des Kapitals nicht vollenden können, da er 1883 starb. Aus Sicht Luxemburgs war die bis dahin vorliegende Reproduktions-Analyse noch nicht abgeschlossen. Für sie muss die Produktion die materiellen Bedingungen vorfinden – etwa Gebäude, Maschinen, Rohstoffe und Arbeitskräfte.

Ausbeutung der Arbeitskräfte

Die Kapitaleigentümer*innen lenken die Produktion so, dass sie am Ende Profite erwirtschaften, die sie erneut investieren können, um so noch höhere Profite zu erzeugen. Doch damit das geschehen kann, muss zuerst gewährleistet werden, dass die genannten Grundlagen zur Produktion vorhanden sind – Fabrikhallen, Infrastruktur, etc. Das nennt man die „einfache Reproduktion“. Damit werden dann Produktions- und Konsummittel erzeugt – beispielsweise Sägewerke und Mähdrescher-Fabrik bzw. Möbel und Nahrungsmittel. Bei der erweiterten Reproduktion wird durch die Ausbeutung der Arbeitskräfte ein größerer Mehrwert geschaffen: Die Produktivität erhöht sich, die Zahl der hergestellten Güter wird immer mehr.

Algerien, Indien, China

Irgendwann finden diese zusätzlichen Produktions- und Konsummittel jedoch keine Abnehmer*innen mehr – es kommt zur Überproduktionskrise. Um dem vorzubeugen, drängt das Kapital nach außen. Das europäische Kapital schafft sich somit einen Weltmarkt, um seine Güter absetzen zu können. Dazu braucht man jedoch Arbeitskräfte und Rohstoffe aus dem „globalen Süden“, zerstört gleichzeitig die dortige Naturalwirtschaft mit kollektiv genutztem Gemeinschaftseigentum – was Luxemburg am Beispiel des französischen Kolonialismus in Algerien anschaulich darstellt. Ebenso sind diese Vorgänge bei der britischen Politik in Indien oder den Opiumkriegen des Vereinigten Königreichs in China zu beobachten.

Die planetaren Grenzen

Das Kapitalverhältnis wird somit auf die gesamte Welt ausgedehnt. Luxemburg zufolge ist jedoch irgendwann ein Punkt erreicht, an dem alle Winkel der Erde vom Kapitalismus erschlossen und ausgebeutet werden, das System also an seine natürlichen Grenzen kommt. Eine weitere Ausdehnung ist schlichtweg nicht mehr möglich. Hatte sie zu ihrer Zeit eine linear steigende Produktionsentwicklung vor Augen, wuchs diese in den 1950ern zunehmend expotenzial an – und dadurch auch der Raubbau an der Natur und der Ausstoß klimaschädlicher Emissionen. Als Alternative stellt Luxemburg dem ständig wachsenden Kapitalismus ein sozialistisches Wirtschaften gegenüber, das die Produktion bedürfnisorientiert plant.

Anpassungsfähiger Kapitalismus

„Sie konnte sich einen keynesianischen Wohlfahrtsstaat mit öffentlichem Eigentum, wie er nach dem Zweiten Weltkrieg entstand, nicht vorstellen“, ging Klaus Dörre auf eine historische Entwicklung ein, die das prognostizierte Ende des Kapitalismus deutlich hinauszögerte. Denn so schuf der Staat selbst aktiv äußere Märkte, indem durch staatliche Infrastrukturmaßnahmen im großen Stil gebaut – und somit das System stabilisiert – wurde. Allerdings könne man heute feststellen, dass die Kosten, um privatwirtschaftliche Akkumulation zu betreiben, immer höher würden. So sei das Tesla-Werk in Grünheide erst nach der Zusage gewaltiger Subventionszahlungen des Staates errichtet worden. „Sie erwirtschaften auch nur Profite, weil es keine Löhne nach Tarifvertrag gibt“, hielt Dörre fest. „Kapitalismus rentiert sich nicht mehr.“

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