
Gezielte Bündnispolitik, um sich gegen Antisemitismus und Rassismus zu wehren sowie eine Gesellschaft zu schaffen, in der die Identifikation über Hautfarbe keine Rolle mehr spielt, sind Kernthemen von Frantz Fanon. Philipp Dorestal stellte im Rahmen von „Linksbündig“ sein Buch „Denker der Dekolonisation. Zur Aktualität von Frantz Fanon“ vor.
Psychologie und Kolonialismus
Frantz Fanon wurde 1925 in Französisch-Martinique geboren und wuchs in einer gut situierten Mittelschichtfamilie auf. Als 16-Jähriger ging er zu den Freien Französischen Streitkräften, um gegen die Deutschen zu kämpfen – und wurde dabei schwer verletzt. Nach 1945 studierte er in Lyon Philosophie und Medizin. Darüber hinaus beschäftigte er sich intensiv mit dem Marxismus. 1952 veröffentlichte Fanon das Buch „Schwarze Haut, weiße Masken“, in dem er sich mit den psychologischen Auswirkungen von Rassismus und kolonialer Unterdrückung beschäftigte.
„Die Verdammten dieser Erde“
In Algerien erhielt Fanon eine Stelle als leitender Psychiater und unterstützte im Laufe der Zeit mehr und mehr die algerische Nationale Befreiungsfront FLN und deren bewaffneten Kampf. 1956 arbeitete er im Exil-Hauptquartier der FLN in Tunis. Dort schrieb er „Im fünften Jahr der algerischen Revolution“, was in Frankreich jedoch umgehend verboten wurde. Schon an Leukämie erkrankt, verfasste er „Die Verdammten dieser Erde“, was mit einem Vorwort von Jean-Paul Sartre erschien. Fanon starb 1961 in den USA.
Algerien und USA
„In der Black-Panther-Bewegung wurde ,Die Verdammten dieser Erde’ als ,Schwarze Bibel’ bezeichnet“, hob Philipp Dorestal die Bedeutung des Werkes für die schwarze Bürgerrechtsbewegung hervor. Diese übertrug Fanons koloniale Analysen auf die schwarzen Ghettos in den Vereinigten Staaten. Dabei bezog sich der Autor auch auf die literarische Négritude-Strömung, die sich in den 40er und 50er Jahren für die kulturelle Selbstbehauptung schwarzen Lebens starkmachte.
„Weiß-Werden“ unmöglich
Darüber hinaus integrierte Fanon die antikoloniale Befreiungsbewegung in die materialistische Analyse von Karl Marx. In einer Szene beschreibt er eine Situation in einem Zugabteil, in der ein kleiner weißer Junge Schwarz-Sein automatisch rassistisch mit intellektueller Minderwertigkeit und Kannibalismus in Verbindung bringt. Schwarze Franzosen versuchten diesen rassistischen Stereotypen dadurch entgegenzuwirken, in dem sie ihre guten Sprachkenntnisse und ihren hohen Bildungsstand betonten. Doch war dieser Akt der Assimilation zum Scheitern verurteilt, weil der Versuch, trotz ihrer schwarzen Haut durch gesellschaftliche Anpassung „weiß zu werden“, aufgrund des herrschenden Rassismus misslang.
Gewalt und Trauma
„Fanon denkt Antisemitismus- und Rassismuskritik sehr stark zusammen“, betonte Dorestal. So unterliegen Jüd*innen ihm zufolge ähnlichen Unterdrückungsmechanismen wie Schwarze. Hier braucht es solidarische Allianzen. Im Befreiungskampf sah der Psychiater die Gewalt der Kolonisierten als Reaktion auf die Gewalt der Unterdrücker. Allerdings führe Gewalt nicht immer zu positiven Folgen, sondern traumatisiere die betroffenen Menschen tiefgreifend, warnte er. Fanons Zukunftsvision war eine Gesellschaft, in der eine Identifikation über die Hautfarbe nicht mehr existiert.
Weiterführende Links:
- RLS (12.7.2025): Denker der Dekolonisation. Zur Aktualität von Frantz Fanon – https://www.youtube.com/watch?v=DD9hBlNVshM
- Die Linke SC-RH (7.5.2022): Frantz Fanon. Die Verdammten dieser Erde – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/geschichte/frantz-fanon-die-verdammten-dieser-erde/
- Die Linke SC-RH (17.5.2022): Algerien. Demokratiebewegung Hirak – https://www.die-linke-schwabach-roth.de/international/algerien-demokratiebewegung-hirak/














