Die Linke: Demokratische Wirtschaft

19. Juni 2026  Wirtschaft
Geschrieben von Kreisverband

Die Linke will mit den Menschen auf der Straße der Macht des Kapitals etwas entgegensetzen – wie bei Blockupy in Frankfurt, 2015. (Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, CC BY 2.0)

Mit sozialen Kämpfen der Macht des Kapitals etwas entgegenzusetzen und eine Politik für die Mehrheit machen – das ist für Raul Zelik eine Kernbotschaft der Linken. Das erklärte er im Vortrag „Macht und Eigentum im Kapitalismus“ bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Weiß, männlich, frei

„Geschichte wird in sozialen Kämpfen gemacht“, betonte Raul Zelik. Deshalb brauche es auch eine „Geschichtsschreibung von unten“. Und macht dies an der Haitianischen Revolution von 1804 fest, in der sich die Schwarzen Sklav*innen selbst befreiten – was in Europa kaum zur Kenntnis genommen wird. Denn in der hiesigen Historie dominiere die liberale Erzählung der Amerikanischen Revolution von 1776 und deren Credo „Alle Menschen sind gleich“. Da falle unter den Tisch, dass Thomas Jefferson, einer der Verfasser der Unabhängigkeitserklärung, selbst zahlreiche Sklav*innen besaß. „Das Versprechen von Freiheit galt nicht für Indigene, Schwarze und Frauen“, rief der Sozialwissenschaftler in Erinnerung.

CDU für Vergesellschaftung

Und kritisierte ebenfalls das Narrativ der „Sozialen Marktwirtschaft“ durch die Lichtgestalt Ludwig Erhard. Der Ordoliberale plädierte dafür, eine klassische Wirtschaftspolitik in der Westzone durchzusetzen – stieß jedoch auf massiven Widerstand der Bevölkerung, der der Zusammenhang von Großkapital und Faschismus noch sehr präsent war. „In Stuttgart ließ die US-Besatzung sogar Panzer gegen die protestierenden Menschen auffahren“, blickte Zelik in das Jahr 1947 zurück. Die Gewerkschaften organisierten zahlreiche Generalstreiks. „Selbst die CDU sprach sich in ihrem ,Ahlener Programm’ für die Vergesellschaftung der Schlüsselindustrie aus“, skizzierte er das gesellschaftliche Klima.

Streik für mehr Rechte

Die Wirtschaftspolitiker reagierten auf ihre Weise: Statt von „Kapitalismus“ sprach man von „Marktwirtschaft“ – und führte das System wie geplant ein. Dass von dieser Seite den Beschäftigten keineswegs etwas „geschenkt“ wird, machte Zelik an der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall deutlich. Diese wurde nämlich keineswegs von vorausschauenden Politiker*innen in die damalige Gesetzgebung implementiert, sondern war das Ergebnis eines rund 150 Tage andauernden und erbittert geführten Streiks in Norddeutschland.

Die Macht des Kapitals

„Unternehmer*innen können der Politik damit drohen, bei der Verabschiedung gesetzlicher Regularien den Standort ins Ausland zu verlagern“, sprach der Politikwissenschaftler den Einfluss der Konzern-Chefs an. Im bürgerlichen Staat werde das Eigentum der Wenigen seitens Polizei und Justiz gegen die Ansprüche der Vielen verteidigt. „In Deutschland kontrollieren fünf private Konzerne fast den gesamten Zeitungsmarkt“, machte er auf die Medienlandschaft aufmerksam. Bei den sozialen Medien sei die Konzentration auf einige wenige Tech-Giganten sogar noch größer. Auch im Wissenschaftsbetrieb ist das Kapital mit der Vergabe von Stiftungsprofessuren oder der Finanzierung von Forschungsprojekten durch Drittmittel gut vertreten.

Kapitalismus zerstört

„Linke Politik in den Parlamenten sieht sich also mit vielen Widerständen konfrontiert“, fasste er die Machtverhältnisse zusammen. Deshalb brauchten Reformen für eine Transformation der kapitalistischen Gesellschaft auch immer aktive soziale Kämpfe als Basis. „Der Kapitalismus fußt auf territorialer Expansion, um so wirtschaftliches Wachstum zu erreichen“, erläuterte Zelik. Deshalb werde auch „wertloser“ Regenwald abgeholzt, um darauf Weideflächen für Rinder zu errichten – mit deren Fleisch Agrarkonzerne Geld verdienen. „In diesem Wirtschaftssystem ist Ausbeutung und Naturzerstörung unabdingbar“, charakterisierte er die kapitalistische Logik. Darum könne man als Linke auch nicht bei Mietendeckel und der Umverteilung innerhalb des Nationalstaats stehenbleiben. „Es braucht eine Stärkung des Gemeineigentums und mehr Mitsprache der Beschäftigten“, forderte er. Denn so könne die Wirtschaft demokratisch geplant werden.

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