Frauenkampftag: Wir sind relevant!

09. März 2022  Gesellschaft
Geschrieben von Daniel Schneider

Plakat der Frauenbewegung zum Frauentag 8. März 1914 (gemeinfrei)

Unfaire Entlohnung, sexuelle Belästigung durch Männer und die Mehrfachbelastung alleinerziehender Mütter waren in Erlangen Thema am Internationalen Frauenkampftag. Dort hatte Die Linke an dem von Klara Zetkin initiierten 8. März mehrere Rednerinnen zu einer Kundgebung eingeladen.

Frauen: prekär beschäftigt und Altersarmut

Helen vom Förderverein demokratischer Arbeitervereine e.V (DIDF) wies auf die durch die Corona-Pandemie verstärkte Spaltung in arm und reich hin. Während das Vermögen der zehn reichsten Deutschen auf 256 Milliarden Dollar anwuchs, stieg die Armutsquote gleichzeitig auf einen Höchststand von 16,2 Prozent. Vor allem in Pflege und Gesundheitswesen, in der Erziehung, der Gebäudereinigung oder im Einzelhandel seien überproportional Frauen von einer geringen Bezahlung betroffen. „Frauen verdienen im Durchschnitt 18 Prozent weniger als Männer“, erklärte sie. Auch würde der auf 12 Euro erhöhte Mindestlohn von der Inflation und hohen Energiekosten aufgefressen. Die Lohndiskriminierung von Frauen in prekären Beschäftigungen und Teilzeit sowie unbezahlte Sorgearbeit zu Hause hätten ihren Preis, erläuterte Helen. „Frauen erhalten 48 Prozent weniger Rente“, machte sie auf die daraus folgende Altersarmut aufmerksam. Weitere Probleme, unter denen Frauen litten, seien sexuelle Belästigung und massive Gewalt bis hin zu Mord. So kündigten etwa ganze Staaten die Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauenrechten auf.

Alleinerziehende: Stress und Armut

Stadträtin Fabiana Girstenbrei (Erlanger Linke) beleuchtete das Leben alleinerziehender Eltern. Von den 1,5 Millionen Alleinerziehenden seien 85 Prozent Frauen, verdeutlichte sie die gesellschaftlichen Dimensionen. Das dies finanziell sehr belastend sei, erkenne man daran, dass 40 Prozent der Betroffenen ihr Gehalt mit Hartz IV aufstocken müssten. Auch die Auswirkungen auf die Gesundheit seien deutlich. Laut einer Umfrage der Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) seien Alleinerziehende deutlich gestresster als Angestellte in leitenden Funktionen. Das kann die alleinerziehende junge Mutter aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Nach der Verantwortung im Beruf ginge es nahtlos mit der Verantwortung den Kindern gegenüber weiter, oftmals belastet durch juristische Kämpfe mit dem (gewalttätigen) Ex-Partner oder unzähligen Anträgen im verwaltungstechnischen Behördendschungel. „Wir brauchen flexible Arbeitszeiten, eine ausreichende Kindergrundsicherung und ganztägige Angebote bei Kita- und Freizeitangeboten“, mahnte sie an.

Erziehung statt Waffen

Isabella Paape, Betriebsrätin (IG Metall) bei Siemens Energy, kritisierte die staatliche Ausgabenpolitik. Während die Bundesregierung 100 Milliarden Euro in neue Panzer, Kampfflugzeuge und Drohnen investiere, müssten die Beschäftigten im kommunalen Erziehungsdienst erfahren, dass in der Tarifrunde 2022 kein Geld für sie vorgesehen sei. „Die Steuergelder fließen an Rheinmetall, Thyssen und Airbus – zur professionellen Erziehung unserer Jüngsten ist jedoch kein Geld da!“, prangerte sie das Missverhältnis an. Besonders augenscheinlich sei, dass erzieherische Berufe zu 80 Prozent von Frauen ausgeübt würden (im Gegensatz zu den männerdominierten Sparten im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie). Doch gäbe es auch erfreuliche Nachrichten. Anlässlich dieser Ungerechtigkeit seien an diesem 8. März rund 200 Erlanger Kita-Kolleg*innen in den Warnstreik getreten.

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