Massenmord in Nürnberg-Langwasser

04. Juli 2021  Geschichte
Geschrieben von Daniel Schneider

Karte des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg um 1940. Die Lager befanden sich unterhalb des Märzfelds am unteren Bildrand (Zeltlager der SA, HJ) [Quelle: Lencer/Wikipedia, CC BY-SA 2.5]

Vielen ist beim Reichsparteitagsgelände in Nürnberg nur die Zeppelintribüne oder die Kongresshalle als Orte der nationalsozialistischen Inszenierung bekannt. Dass südlich davon, im früheren SA-Lager während des Krieges tausende Kriegsgefangene starben, wurde bisher in der Öffentlichkeit kaum thematisiert. Diesen „unbekannten“ Opfern will der Band „Das Reichsparteitagsgelände im Krieg: Gefangenschaft, Massenmord und Zwangsarbeit“des Dokumentationszentrums nun eine Stimme geben.

Internierungs- und Stammlager XIII A

Mit Kriegsbeginn wurde die Infrastruktur, die ursprünglich für den „Reichsparteitag des Friedens“ (1939) vorgesehen war, mit dem „Internierungslager Nürnberg“ zu einem Lager für über 8.000 polnische Zivilist:innen. Wenig später begann man mit dem Bau des Stalag [Stammlager] XIII A Nürnberg-Langwasser mit einer Kapazität für 30.000 Kriegsgefangene. Mitte Juni 1940 kamen mehrere zehntausende Kriegsgefangene aus Belgien und Frankreich nach Nürnberg. Diese wurden, wie die polnischen Gefangenen vor ihnen, auf zahlreiche Arbeitskommandos in der Umgebung verteilt. Auch in Sulzbach-Rosenberg, Weiden und Hammelburg entstanden zusätzliche Lager.

„Russenlager“ und „Sonderbehandlung“

Mit dem Überfall auf die Sowjetunion kamen 1941 tausende Soldaten in das „Russenlager Langwasser“. Dass die Unterbringung in herkömmlichen Zelten im Winter 1941/42 zum massenhaften Tod durch Kälte und Mangelernährung führte, stellte für die deutschen Behörden kein Problem dar. Im Oktober 1942 arbeiteten rund 11.000 sowjetische Kriegsgefangene in den zahlreichen Rüstungsbetrieben in Nürnberg. Die Gestapo suchte unter ihnen nach „Kommissaren“, Intellektuellen“ oder „Juden“. Diese wurden einer „Sonderbehandlung“, der Erschießung in einem Konzentrationslager [meist Dachau], zugeführt. Es ist von der Ermordung von ca. 2.500 Angehörigen der Roten Armee auszugehen.

Deportationen in den Tod

Auch der Weg der fränkischen Jüdinnen und Juden führte über Nürnberg-Langwasser. In drei Deportationszügen wurde die jüdische Bevölkerung 1941/42 aus Bamberg, Bayreuth, Coburg, Erlangen, Forchheim, Fürth, Würzburg und weiteren fränkischen Orten u.a. über den Bahnhof Märzfeld und das „Waldlager II“ Richtung Osten gebracht. Menschen wie die in der Bärenschanzstraße in Nürnberg wohnende Miriam Blumenthal. Am 24. März 1942 wurde sie über den Bahnhof am Märzfeld ins Ghetto Izbica (Polen) deportiert, wo sie mit ihrer Schwester Josepha und ihrer Mutter Gisela ermordet wurde.

Zwangsarbeiter:innen aus Italien und dem Osten

Mit andauerndem Krieg war die deutsche Rüstungsproduktion in immer stärkeren Maße auf „Ostarbeiter:innen“ angewiesen. Von April bis Juli kamen über 30.000 über den Bahnhof Märzfeld, um in einem der Nürnberger Betriebe Zwangsarbeit zu leisten. Nach der Absetzung Benito Mussolinis durch den Faschistischen Großrat und dem Ausscheiden Italiens aus der „Achse Berlin-Rom“, internierte die Wehrmacht im September 1943 tausende der früheren „Waffenbrüder“. Viele wurden als Militärinternierte nach Nürnberg geschickt, wo sie in Fabriken wie Dynamo in Fürth, Konrad Winkler, den Lumaphon-Werken, Conradty in Röthenbach, Siemens oder dem MAN-Firmenlager Zwangsarbeit leisten mussten. Andere waren bei Bombenaufräumarbeiten oder in der Landwirtschaft „beschäftigt“. Über 400 Italiener starben in der Gefangenschaft und wurden meist auf dem städtischen Südfriedhof begraben. Im gesamten Reichsgebiet kamen mindestens 50.000 gefangene Italiener ums Leben.

Weiterführende Literatur

Die Männer mit dem rosa Winkel

01. Juli 2021  Geschichte
Geschrieben von Daniel Schneider

Mit dem Rosa Winkel wurden Gefangene in Konzentrationslagern gekennzeichnet, die wegen ihrer Homosexualität verhaftet wurden (Quelle: Wikipedia)

Über die „vergessenen“ Häftlinge und ihren Überlebenskampf in den Konzentrationslagern informierte Prof. Hans Simon-Pelanda im Vortrag „Schwules Leiden im KZ Flossenbürg“. Die Veranstaltung entstand in Kooperation mit dem Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V.

Erfahren Sie mehr »

Psychiatrien zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus

29. Juni 2021  Geschichte
Geschrieben von Daniel Schneider

Psychiatrische Kontinuitäten vom Kaiserreich zur NS-Euthanasie und die Praxis des „Heilens und Vernichtens“ legte Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl dar. Der Vortrag fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „NS-Euthanasie in den mittelfränkischen Heil- und Pflegeanstalten“ des Bezirks Mittelfranken statt.

Erfahren Sie mehr »

Mit Demokratie und Bürgerbeteiligung zur Energiewende

20. Juni 2021  Regional
Geschrieben von Daniel Schneider

Prinzip eines Blockheizkraftwerks [Wikimedia: Peter Lehmacher, CC BY-SA 3.0]

Eine nachhaltige, effiziente und zukunftsfähige Energieversorgung ist das Ziel der Wärme-Strom-Gemeinschaft. Wie es dazu kam und welche Probleme sich heute für die Genossenschaft stellen, erklärte der Vorsitzende Ralf Hansen bei einer Veranstaltung des Regio-Mark e.V.

Erfahren Sie mehr »

Mondragón: Mit Solidarität zu weltweiter Innovation

23. Mai 2021  Politik
Geschrieben von Daniel Schneider

Mondragón im Baskenland [Wikimedia: Basotxerri, CC BY-SA 4.0]

Wie ein Jesuiten-Pater eine Schule gründete und damit ein globales Wirtschaftsprojekt in Gang setzte, berichtete Hans Ley, Social Entrepreneur aus Nürnberg, bei dem letzten Treffen des Regio-Mark e.V. Schwabach.

Erfahren Sie mehr »

8. Mai – Tag der Befreiung

10. Mai 2021  Regional
Geschrieben von Daniel Schneider

In Roth gedachte ein parteiübergreifendes Bündnis dem 76. Jahrestag der Befreiung vom Nazi-Regime. Die Verlesung aus der Briefkorrespondenz über Zwangsarbeiterinnen verdeutlichte die Skrupellosigkeit und menschenverachtende Grausamkeit, mit der der NS-Staat die Endlösung“ und seine Politik der „Vernichtung durch Arbeit“ vorantrieb, an der sich auch Unternehmen beteiligten. Familienmitglieder von Auschwitz-Häftlingen mahnten alle Anwesenden: Nie wieder Krieg, Ausgrenzung und Rechtsextremismus!

Erfahren Sie mehr »

Solidarität ist Zukunft

03. Mai 2021  Politik
Geschrieben von Daniel Schneider

Gerechte Besteuerung, flächendeckender Tarifvertrag und eine innovative Klima-Wende waren Themen auf der virtuellen 1. Mai-Kundgebung des DGB Mittelfranken. Gewerkschafter*innen aus Nürnberg, Erlangen, aber auch Frankfurt a. M. erklärten, was für gute Arbeit notwendig sei.

Erfahren Sie mehr »

Bündnis in Roth gedenkt Opfern von Rechtsextremismus

02. Mai 2021  Regional
Geschrieben von Redaktion

Aufruf zur Gedenkveranstaltung am 08.05.2021 in Roth

Am Samstag, den 8. Mai ist auf dem Marktplatz in Roth von 14 bis 16:00 Uhr eine Gedenkveranstaltung für Opfer rechtsextremer Gewalt geplant.

Am 8. Mai 2021 jährt sich die Befreiung Deutschlands von nationalsozialistischen Regime zum 76. Mal. Vorangegangen war ein von deutschem Boden ausgehender Vernichtungskrieg. Dessen rassische Ideologie fielen in der Shoah über 6 Millionen Jüd*innen zum Opfer, 500 000 Sinti und Roma, tausende Homosexuelle oder politisch Andersdenkende. Über 45 Millionen Zivilisten oder Soldaten mussten wegen des Rassenwahns sterben.

Erfahren Sie mehr »

Meldungen der Bundespartei

21. Juli 2021 

Erklärung der LINKEN Spitzen zur Unwetterkatastrophe

16. Juli 2021 

500 Euro mehr, früher in Rente – Ricardo Lange gefällt, was ihm Janine Wissler von der LINKEN verspricht. Wenn sie nur nicht seine Art der Arbeit verbieten wollte.

10. Juli 2021 

Die Vorsitzende der LINKEN, Susanne Hennig-Wellsow, verteidigt im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) die in die Kritik geratene Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Zudem hält sie eine Koalition mit Grünen und Sozialdemokraten weiter für möglich. Ziel müsse Klimaschutz und sozialer Ausgleich sein, sagt die Parteichefin.

24. Juni 2021 

Die Coronakrise, die Identitätspolitik, Sarah Wagenknecht und einen Plan für den Fall, dass die Linkspartei im September nicht in den Bundestag gewählt wird. - Ein Interview mit Jan Korte, Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion DIE LINKE

18. Juni 2021 

Der Wahlkampf geht jetzt erst los, sagt LINKEN-Spitzenfrau Janine Wissler

04. Juni 2021 

Dietmar Bartsch, Spitzenkandidat DIE LINKE für die Bundestagswahl 2021 und Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, Janine Wissler, Spitzenkandidatin DIE LINKE für die Bundestagswahl 2021 und Parteivorsitzende, sowie Lorenz Gösta Beutin, Klima- und Energiepolitiker der Fraktion DIE LINKE und Mitglied im Parteivorstand DIE LINKE erklären: