Gregor Gysi über Marx

14. April 2022  Politik
Geschrieben von Daniel Schneider

Gregor Gysi, 2019 (Martin Heinlein, Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Rechtsanwalt Gregor Gysi, außenpolitischer Sprecher der Linken, sprach über sein Verständnis von Marx und der internationalen Politik nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Das Gespräch war Teil der RBB-Reihe „Mein Marx“.

Marx: Freiheit des Einzelnen

„Wäre Marx ein Franzose gewesen, hätte man dort mindestens vier Universitäten nach ihm benannt“, sagte Gysi. Der politische Philosoph stehe für technischen Fortschritt, das „Manifest der Kommunistischen Partei“ stelle klar, dass es eine freie Gesellschaft nur mit der Freiheit des Einzelnen geben könne. Wichtig sei eine gerechte Arbeitsverteilung und angemessene Besteuerung, um Sozialausgaben wie Schulen oder Krankenhäuser zu ermöglichen, beschrieb er Marx‘ Vermächtnis.

Gerechtigkeit statt Kapitalismus

„Kapitalismus schafft keine soziale Gerechtigkeit“, war sich der Linken-Politiker sicher. Das Wirtschaftssystem führe dazu, dass der Reichtum sich nur bei einigen wenigen konzentriere, die Mehrheit der Bevölkerung jedoch arm bliebe. Marx habe diese Unterdrückungsverhältnisse treffend beschrieben. Statt dessen Kapitalismus benötige es eine andere Art der Gerechtigkeit, fand der Rechtsanwalt.

Weltpolitik wird schwieriger

Angesichts Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine verstehe er den Wunsch Finnlands und Schwedens, in die NATO aufgenommen zu werden. Um ein schnelles Ende der Kampfhandlungen herbeizuführen, seien massive Sanktionen gegen die russische Führung sowie regierungsnahe Oligarchen nötig. „Wirtschaftssanktionen treffen jedoch die sowieso schon arme Bevölkerung Russlands“, warnte er. Kritisch sah er Russlands Sitz im UN-Sicherheitsrat. Mit dem Veto-Recht würde künftige Weltpolitik, etwa in Bezug auf das Atomabkommen mit dem Iran, sehr schwierig, gab Gysi einen Ausblick auf die Zeit nach dem Krieg.

Weiterführende Links:

« zurück