Machtübertragung 1933 – eine Mahnung

01. Februar 2022  Geschichte
Geschrieben von Daniel Schneider

Bundesarchiv, Bild 183-H28422 / CC-BY-SA 3.0

Der Weg Hitlers ins Kanzleramt war Gegenstand eines Vortrags zum 30. Januar 1933. Dr. Stefan Bollinger, Mitglied der Historischen Kommission der Linken, erläuterte Ursachen und Hintergründe. Organisiert wurde die Veranstaltung von ver.di Mittelfranken und dem VVN-BdA Nürnberg.

Elite gegen die Demokratie

Neben konservativen und antidemokratisch ausgerichteten Eliten war ein weiterer Grund für das Erstarken des deutschen Faschismus die Zerstrittenheit seiner Gegner. „Das Elitenprojekt lautete: Deutschland als Weltmacht, Abkehr vom ‚Versailler Schanddiktat‘ und Auslöschung des Sozialismus“, beschrieb Bollinger das Denken der konservativen Kräfte in der Weimarer Republik. In der faschistischen Bewegung sahen Unternehmer in der Wirtschaftspolitischen Vereinigung Frankfurt am Main (17. Juli 1931) bzw. im Düsseldorfer Industrieclub (26. Januar 1932) eine Möglichkeit, ihre Interessen durchzusetzen. Damit befand sich Deutschland in einer Reihe mit anderen europäischen Ländern, die den Schulterschluss von alter Elite, Industrie und Faschismus vollzogen hatten. So war mit Mussolinis Partito Nazionale Fascista (PNF) in Italien eine faschistische Partei an die Macht gekommen. Mit Franco in Spanien, den „Pfeilkreuzlern“ in Ungarn oder dem autoritären Salazar-Regime in Portugal sollten ähnliche Verbindungen folgen.

Konservative, Nationalisten, Faschisten

Der Faschismus der 1920er Jahre war eine Art „Neue Soziale Bewegung“, die eine hohe Gewaltbereitschaft mit Antimarxismus, Antisemitismus und Rassismus verband. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise präsentierte sich die NSDAP der von Abstiegsängsten bedrohten Mittelschicht als Retterin in der Not. Am 11. Oktober 1931 schlossen sich sich NSDAP, DNVP, Stahlhelm sowie der Alldeutsche Verband zur „Harzburger Front“ zusammen. Eine in Bad Harzburg stattfindende Ausstellung trägt den treffenden Namen: Im Gleichschritt zur Diktatur.

Kommunisten gegen Sozialdemokraten

Kritik übte Bollinger auch am Verhalten der Kommunisten, die in den Sozialdemokraten („Sozialfaschisten“) den größeren Feind als im Nationalsozialismus sahen. Offenkundig wurde der Gegensatz der beiden Arbeiterparteien beim sog. „Preußenschlag“ (20. Juli 1932), mit dem Reichskanzler von Papen die gewählte Regierung und sozialdemokratisches Bollwerk des größten Bundesstaates absetzte. Statt eines gemeinsamen Generalstreiks von SPD, KPD und Gewerkschaften mit Rückhalt der mehrheitlich sozialdemokratisch gesinnten 90.000 preußischen Polizeibeamten gegen die Absetzung – tat man nichts.

Bürgerliche Parteien für die Diktatur

Der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler folgte der Reichstagsbrand, die Verhaftung zahlreicher KPD- und SPD-Mitglieder, die Selbstentmachtung der bürgerlichen Parteien mittels des „Ermächtigungsgesetzes“ sowie die Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933. Hatte der „Bruderkampf“ von KPD und SPD ein gemeinsames Vorgehen der Arbeiter*innenschaft gegen den Faschismus verhindert, öffneten nun katholische Zentrumspartei, liberale Deutsche Staatspartei und konservative DNVP der Diktatur per Gesetz die Tür.

Weiterführende Literatur:

  • Wörsching, Mathias: Faschismustheorie, 2. Aufl, 2021 – https://faschismustheorie.de/
  • Nolte, Ernst: Die faschistischen Bewegungen, dtv, München, 1966

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