Geschichte

Massenmord in Nürnberg-Langwasser

04. Juli 2021  Geschichte

Karte des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg um 1940. Die Lager befanden sich unterhalb des Märzfelds am unteren Bildrand (Zeltlager der SA, HJ) [Quelle: Lencer/Wikipedia, CC BY-SA 2.5]

Vielen ist beim Reichsparteitagsgelände in Nürnberg nur die Zeppelintribüne oder die Kongresshalle als Orte der nationalsozialistischen Inszenierung bekannt. Dass südlich davon, im früheren SA-Lager während des Krieges tausende Kriegsgefangene starben, wurde bisher in der Öffentlichkeit kaum thematisiert. Diesen „unbekannten“ Opfern will der Band „Das Reichsparteitagsgelände im Krieg: Gefangenschaft, Massenmord und Zwangsarbeit“des Dokumentationszentrums nun eine Stimme geben.

Internierungs- und Stammlager XIII A

Mit Kriegsbeginn wurde die Infrastruktur, die ursprünglich für den „Reichsparteitag des Friedens“ (1939) vorgesehen war, mit dem „Internierungslager Nürnberg“ zu einem Lager für über 8.000 polnische Zivilist:innen. Wenig später begann man mit dem Bau des Stalag [Stammlager] XIII A Nürnberg-Langwasser mit einer Kapazität für 30.000 Kriegsgefangene. Mitte Juni 1940 kamen mehrere zehntausende Kriegsgefangene aus Belgien und Frankreich nach Nürnberg. Diese wurden, wie die polnischen Gefangenen vor ihnen, auf zahlreiche Arbeitskommandos in der Umgebung verteilt. Auch in Sulzbach-Rosenberg, Weiden und Hammelburg entstanden zusätzliche Lager.

„Russenlager“ und „Sonderbehandlung“

Mit dem Überfall auf die Sowjetunion kamen 1941 tausende Soldaten in das „Russenlager Langwasser“. Dass die Unterbringung in herkömmlichen Zelten im Winter 1941/42 zum massenhaften Tod durch Kälte und Mangelernährung führte, stellte für die deutschen Behörden kein Problem dar. Im Oktober 1942 arbeiteten rund 11.000 sowjetische Kriegsgefangene in den zahlreichen Rüstungsbetrieben in Nürnberg. Die Gestapo suchte unter ihnen nach „Kommissaren“, Intellektuellen“ oder „Juden“. Diese wurden einer „Sonderbehandlung“, der Erschießung in einem Konzentrationslager [meist Dachau], zugeführt. Es ist von der Ermordung von ca. 2.500 Angehörigen der Roten Armee auszugehen.

Deportationen in den Tod

Auch der Weg der fränkischen Jüdinnen und Juden führte über Nürnberg-Langwasser. In drei Deportationszügen wurde die jüdische Bevölkerung 1941/42 aus Bamberg, Bayreuth, Coburg, Erlangen, Forchheim, Fürth, Würzburg und weiteren fränkischen Orten u.a. über den Bahnhof Märzfeld und das „Waldlager II“ Richtung Osten gebracht. Menschen wie die in der Bärenschanzstraße in Nürnberg wohnende Miriam Blumenthal. Am 24. März 1942 wurde sie über den Bahnhof am Märzfeld ins Ghetto Izbica (Polen) deportiert, wo sie mit ihrer Schwester Josepha und ihrer Mutter Gisela ermordet wurde.

Zwangsarbeiter:innen aus Italien und dem Osten

Mit andauerndem Krieg war die deutsche Rüstungsproduktion in immer stärkeren Maße auf „Ostarbeiter:innen“ angewiesen. Von April bis Juli kamen über 30.000 über den Bahnhof Märzfeld, um in einem der Nürnberger Betriebe Zwangsarbeit zu leisten. Nach der Absetzung Benito Mussolinis durch den Faschistischen Großrat und dem Ausscheiden Italiens aus der „Achse Berlin-Rom“, internierte die Wehrmacht im September 1943 tausende der früheren „Waffenbrüder“. Viele wurden als Militärinternierte nach Nürnberg geschickt, wo sie in Fabriken wie Dynamo in Fürth, Konrad Winkler, den Lumaphon-Werken, Conradty in Röthenbach, Siemens oder dem MAN-Firmenlager Zwangsarbeit leisten mussten. Andere waren bei Bombenaufräumarbeiten oder in der Landwirtschaft „beschäftigt“. Über 400 Italiener starben in der Gefangenschaft und wurden meist auf dem städtischen Südfriedhof begraben. Im gesamten Reichsgebiet kamen mindestens 50.000 gefangene Italiener ums Leben.

Weiterführende Literatur

Die Männer mit dem rosa Winkel

01. Juli 2021  Geschichte

Mit dem Rosa Winkel wurden Gefangene in Konzentrationslagern gekennzeichnet, die wegen ihrer Homosexualität verhaftet wurden (Quelle: Wikipedia)

Über die „vergessenen“ Häftlinge und ihren Überlebenskampf in den Konzentrationslagern informierte Prof. Hans Simon-Pelanda im Vortrag „Schwules Leiden im KZ Flossenbürg“. Die Veranstaltung entstand in Kooperation mit dem Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V.

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Psychiatrien zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus

29. Juni 2021  Geschichte

Psychiatrische Kontinuitäten vom Kaiserreich zur NS-Euthanasie und die Praxis des „Heilens und Vernichtens“ legte Prof. Dr. Hans-Walter Schmuhl dar. Der Vortrag fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „NS-Euthanasie in den mittelfränkischen Heil- und Pflegeanstalten“ des Bezirks Mittelfranken statt.

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Vernichtungskrieg in Bildern

29. April 2021  Geschichte

„Raising a flag over the Reichstag“ von Ewgenij Chaldej (Quelle: Wikipedia/Mil.ru, CC-BY 4.0)

Das Memorium Nürnberger Prozesse widmete mit „Krieg und Frieden“ einem der berühmtesten Fotografen des 20. Jahrhunderts eine Ausstellung. Der sowjetische Kriegsberichterstatter Ewgenij Chaldej habe die Zeitspanne von dem Überfall auf die Sowjetunion bis zu den Nürnberger Prozessen so eindrücklich festgehalten wie kaum ein anderer, lautete die Expertise.

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Es braucht einen Antiziganismus-Beauftragten

17. Februar 2021  Geschichte

Roberto Paskowski in Auschwitz-Birkenau [Quelle: Roberto Paskowski]

Roberto Paskowski, früherer Genosse aus Ingolstadt und Angehöriger der Deutschen Sinti und Roma fordert einen Antiziganismus-Beauftragten auf Landes- und kommunaler Ebene. Darüber hinaus berichtet er über seinen antifaschistischen Kampf gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit.

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Fritz Bauer Institut demaskiert „moralischen SS-Mann“

04. Februar 2021  Geschichte

Deutsche Post (2019): Fritz Bauer. Serie Aufrechte Demokraten. BRD MiNr. 3502

Die Stilisierung eines SS-Richters als aktiven Widerstandskämpfer und Antisemitismuserfahrungen von Enkel*innen der Shoa-Überlebenden waren Thema zweier preisgekrönter Arbeiten des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt a. Main.

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Sintiza Franz: „Nie wieder!“

27. Januar 2021  Geschichte

Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma, Berlin [Foto: Mike Peel]

„Kämpft dafür, dass so etwas nie wieder geschieht!“, lautete der Appell der Auschwitz-Überlebenden Eva Franz (geb. Christ) an ihre Zuschauer*innen. Anlässlich des Holocaust-Gedenktages veranstaltete Bildung Evangelisch und der bayerische Landesverband Deutscher Sinti und Roma ein Online-Zeitzeugengespräch mit der 80-jährigen Sintiza.

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Euthanasie in Erlangen – Werner Leibbrand und der Kampf um Gerechtigkeit

27. November 2020  Geschichte

Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein. Hier wurden auch viele Patient*innen der Heil- und Pflegeanstalt Erlangen ermordet. (Bildurheber: Studio S, Farbmomente Dresden)

Das Centre for Human Rights Erlangen-Nürnberg (CHREN) stellte in einer Online-Veranstaltung das Leben und Wirken von Werner Leibbrand vor. Der sozialistische Arzt prangerte in seiner Publikation „Um die Menschenrechte der Geisteskranken“ (1946) die Ermordung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung an und sagte im „Ärzteprozess“ als Sachverständiger aus.

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