Angestellte fordern faire Bezahlung

30. November 2021  Politik
Geschrieben von Daniel Schneider

Bis zu 500 Angestellte im Öffentlichen Dienst demonstrierten in Erlangen mit einem dritten Warnstreik. Ihre Forderungen waren eine bessere Bezahlung sowie die Abkehr vom neoliberalen, gewinnorientierten Gesundheitssystem.

Für mehr Geld und Personal

Christina Keilholz, Fachkrankenpflegerin für Anästhesie, erklärte, ihr Team stehe mit einer hochqualifizierten Ausbildung für eine gute Pflege. Doch es bräuchte eindeutig mehr Personal. Dass eine Anästhesie-Fachkraft oft für zwei Operationssäle zuständig sei, habe Folgen. „Durch Zeitdruck und chronischem Stress kommt es zu mehr Fehlern“, kritisierte sie die unzureichende Personaldecke. Doch betrachte man das Gehalt, von dem Miete und Kinderbetreuung bezahlt werden müssten, sei der Beruf für junge Menschen finanziell nicht attraktiv. Keilholz forderte, die dreijährige Grundausbildung sowie daran anschließende zweijährige Weiterbildungen mit einem Bachelor-Abschluss gleichzustellen. „Unsere Arbeit ist mehr wert!“, rief sie den streikenden Angestellten zu. Besonders die ver.di-Jugend gab ihren Ausführungen Recht. „Jung und gehaltbereit“, war auf den Fahnen der Auszubildenden zu lesen.

Gegen Fallpauschale und Nullrunde

Auch Tatjana, die sich als Pflegefachkraft in der Initiative „Gesundheit statt Profit“ engagiert, kritisierte das Verhalten der Arbeitgeber. Der Zusammenschluss aus Angestellten der Rettungsdienste, von Krankenhäusern und Pflegeheimen hatte während des ersten Lockdowns gegen die mangelnde Schutzausrüstung protestiert, während Politiker*innen schlecht bezahlte Pflegekräfte als neue Leistungsträger der Gesellschaft entdeckt hatten. Dass dies während der vierten Corona-Welle eine Nullrunde für die Angestellten bedeuten soll, sei nicht nachvollziehbar. Dem neoliberalen System der Fallpauschale, dass die Pflegekräfte nur zu einem Wirtschaftsfaktor macht, setze sie den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen entgegen. Dass solch ein Arbeitskampf Erfolg habe, sähe man etwa an den Krankenhausstreiks in Berlin, den die Beschäftigten von Vivantes und der Charité für sich gewonnen hätten.

Gemeinsam stark

Neben ver.di nahmen die Bildungsgewerkschaft GEW sowie die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt an dem Warnstreik teil. Organisiert die GEW Angestellte und Studierende an Schule und Universität, vertritt die IG BAU u.a. die Mitarbeitenden der Bayerischen Staatsforste.

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