Harald Welzer: Umweltaktivist Karl Marx

06. Februar 2022  Politik
Geschrieben von Daniel Schneider

Harald Welzer im Gespräch mit Jo Schück auf der Frankfurter Buchmesse 2018 (Bild: Martin Kraft, CC BY-SA 3.0)

Als Kapitalismuskritiker und Umweltschützer sieht der Sozialpsychologe Harald Welzer den „eingreifenden Denker“ Marx. In der rbbKultur-Reihe „Mein Marx“ erzählen bekannte Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft über ihr ganz persönliches Verhältnis zu Karl Marx.

Ökonomie und Ökologie

„Marx hilft, Zusammenhänge zu erkennen“, stellte Welzer eine der großen Leistungen des ökonomisch denkenden Philosophen heraus. Beispielhaft sei etwa die Art des Wirtschaftens und deren Auswirkungen auf unsere Umwelt. So werde übergreifendes Denken geschult und in seinen Schriften ganze Epochen klar und zusammenhängend vermittelt. Eine Verkürzung des Marx‘schen Denkens auf Kapital und Arbeit mache er bei linken Bewegungen, beispielsweise der Sozialdemokratie, fest. Diese hätte die wichtigen Umweltaspekte fast gänzlich vergessen.

Kein kapitalistischer Raubbau

„Die Natur ist die Quelle unseres Reichtums“, erläuterte Welzer die Position Marx. Denn sie stelle die Grundlage unseres gesamten Wirtschaftens dar. Die Menschen seien soziale Wesen, nicht nur Konsument*innen, die Besitz anhäuften, stellte er da. „Wir Menschen sind alle Teil der Natur, die sich aus ihr ernähren müssen“, lautete sein Appell für einen ressourcenschonenden Umgang jenseits eines ausbeutenden Raubbau-Kapitalismus.

Kommunistisches Manifest zum Einstieg

Welzer wurde durch seine Studienjahre in der Nach-68er-Zeit geprägt und plädiert für ein undogmatisches Herangehen an die bis zu 180 Jahre alten Texte des politischen Redakteurs. Als Einstiegslektüre für Erst-Leser*innen empfiehlt Welzer wegen seiner wunderbaren Formulierungen das „Kommunistische Manifest“ (Manifest der Kommunistischen Partei, 1848).

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