Lichterkette für Corona-Tote

20. Dezember 2021  Regional
Geschrieben von Daniel Schneider

Über 2.000 Menschen gedachten an der Straße der Menschenrechte in Nürnberg den Opfern der Corona-Pandemie. Aufgerufen hatte die Allianz gegen Rechtsextremismus, viele Stadtratsparteien und weitere Organisationen der Zivilgesellschaft.

Solidarität statt Egoismus

Mit eindringlichen Worten skizzierte Stephan Doll, Vorsitzender der Allianz, die aktuelle Gesellschaft: „Journalist*innen werden attackiert, Politiker*innen mit Fackelmärschen bedroht, in Isar-Oberstein ein junger Mann ermordet, weil er in einer Tankstelle auf die Maskenpflicht hinwies.“ Die Corona-Proteste würden bestimmt von Parteien wie der AfD, der Basis oder dem III. Weg. Einerseits müssten sich alle Demokrat*innen von solchen Rechtsextremen distanzieren, andererseits die Ordnungsmacht das Gewaltmonopol gegen die Feinde der Demokratie durchsetzen, forderte er. „Es gibt nicht nur Menschenrechte, sondern auch -pflichten“, mahnte Doll. Ein Egoismus, der den Tod von Menschen in Kauf nähme, sei keine „Freiheit“. Dass Solidarität das Gebot der Stunde sei, hätte jedoch die Mehrheit der Bevölkerung bewiesen. Am vergangenen Mittwoch wurden laut RKI nämlich 1,496 Millionen Impfungen verabreicht.

Die Impfung ist der Torwart

Prof. Dr. Joachim Ficker vom Klinikum Nürnberg gab einen kleinen Einblick in den Krankenhausalltag. Bisher habe man etwa 4.000 Corona-Patient*innen behandelt, von denen ca. 700 gestorben seien. Unter den Toten gäbe es schwangere Mütter mit ihren ungeborenen Kindern ebenso wie sich infiziertes Pflegepersonal. „Unsere Oberärzt*innen erhalten ständig Anfragen anderer Kliniken für die Aufnahme von Covid-Erkrankten“, berichtete er. Allzu oft müsse dies jedoch wegen Mangel an Kapazitäten verweigert werden. Das Verschieben von Operationen schädige darüber hinaus Menschen, die gar kein Corona hätten. „90 Prozent der Fälle auf den Intensivstationen sind ungeimpft“, lautete seine Diagnose. Eine Impfung reduziere die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung sowie eines schweren Verlaufs massiv. „Die Impfung ist wie der Torwart beim Fußball“, verglich er das Vakzin. Es könne zwar Gegentore geben, doch würde niemand ein Spiel ohne einen Torwart beginnen.

Über tausend Tote

Oberbürgermeister Marcus König berichtete, dass über 1.000 Nürnberger*innen verstorben seien. Betroffen davon seien auch deren Familienangehörige, Freund*innen und Bekannte. „Nicht genug danken kann man den Menschen im Gesundheitssystem, die tagtäglich um Leben kämpfen“, sprach das Stadtoberhaupt in Richtung der Rettungs- und Pflegekräfte. Diese stünden seit zwei Jahren unter großem Stress.

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