Mondragón: Mit Solidarität zu weltweiter Innovation

23. Mai 2021  Politik
Geschrieben von Daniel Schneider

Mondragón im Baskenland [Wikimedia: Basotxerri, CC BY-SA 4.0]

Wie ein Jesuiten-Pater eine Schule gründete und damit ein globales Wirtschaftsprojekt in Gang setzte, berichtete Hans Ley, Social Entrepreneur aus Nürnberg, bei dem letzten Treffen des Regio-Mark e.V. Schwabach.

Genossenschaften in Spanien

Im spanischen Baskenland hat das Genossenschaftswesen eine große Tradition. 1943 gründete der katholische Priester José Maria Arizmendiarietta in der vom Bürgerkrieg (1936-39) verwüsteten Region eine genossenschaftlich organisierte Berufsschule für Ingenieure. Deren Absolvent*innen schlossen sich zur Firma Fagor zusammen und spezialisierten sich auf Haushaltsgeräte. Es folgten eine eigene Sozialversicherung und eine Genossenschaftsbank. Bis 2020 entstanden so 260 Firmen, von denen 98 als Genossenschaften organisiert sind. Dazu gehören neben landwirtschaftlichen Betrieben auch Eroski, Spaniens drittgrößte Supermarkt-Kette, eine eigene Universität, verschiedene Unternehmensdienstleister sowie Einrichtungen der angewandten Forschung. Aktuell arbeiten dort insgesamt über 80.000 Menschen, von denen etwa 80 Prozent Genoss*innen an ihrem Unternehmen sind.

Industrieroboter und Fertigungsstraßen

Wichtig sei der Dreiklang von Solidarität, Innovation und Effizienz, um auch wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu sein, erklärte Ley. Viele der Unternehmen arbeiteten in High-Tech-Bereichen, z.B. an Fertigungsstraßen oder Industrierobotern. In Deutschland kooperiert die Genossenschaft etwa mit dem Hochpräzisionsmaschinen-Hersteller Danobat.

Einkommenssolidarität

„Das Besondere ist die Einkommenssolidarität unter den Arbeitenden“, erläuterte Ley die Prinzipien. So liege das Verhältnis des niedrigsten Lohn zu dem der Management-Ebene bei 1:4,5 bis 6. Auch sei es möglich, dass die Mitglieder zwischen den unterschiedlichen Unternehmen wechseln könnten. Den Erfolg sah man bei der großen Finanzkrise 2008. Zwar ging Fagor, die erste Genossenschaft, Konkurs, doch fanden sämtliche Menschen in den Tochter-Firmen ein Fortkommen.

Demokratie

Die Organisation erfolge demokratisch. Während die Generalversammlung die strategischen Richtlinien vorgäbe, könne jeder Betrieb selbst nach der optimalen Umsetzung suchen. So ergäbe sich ein lebendiger, lernender Organismus, der über keine starre Top-Down-Hierarchie verfüge. Um das starke Wir-Gefühl der Mitarbeitenden zu erhalten, würde die Größe eines Unternehmens auf etwa 500 Mitglieder begrenzt. Wächst man darüber hinaus, teilt sich das Unternehmen. Die Statistik gibt diesem Modell recht: Während Spanien mit 15 Prozent die höchste Arbeitslosigkeit in der EU habe, betrage der Anteil im Baskenland nur 5 Prozent.

Bildung

Patricia Zamalloa-Hügel, Professorin für Wirtschaftstheorie, Internationale Beziehungen und Umweltökonomie von der Schiller International University Heidelberg führte aus, dass das „Modell Mondragón“ ausstrahle. „An unserer Hochschule wird Mondragón als Beispiel für Good Governance gelehrt“, sagte sie. Auch der Regio-Mark e.V. will sich in Mondragón informieren. So ist 2022 eine gemeinsame Fahrt nach Spanien geplant.

Weiterführende Literatur