Klimaschutz – System Change!

12. Mai 2022  Global
Geschrieben von Daniel Schneider

Hans Joachim Schellnhuber, 2019 (Foto: Mueller/ MSC CC BY 3.0 de)

Eine düstere Gegenwartsbeschreibung, aber eine hoffnungsvolle Zukunft einer digital gesteuerten, nachhaltigen Kreislaufwirtschaft ergab die Diskussion „System Change“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Janine Wissler (Die Linke) und Hans Joachim Schellnhuber sprachen über erfolgreichen Klimaschutz.

Sonne, Wind, Wasser für alle

Schellnhuber erläuterte die digitale Kreislaufwirtschaft. Das regenerative Wirtschaften dank Sonnenenergie oder Erdwärme (mit dem Erdkern als globalem Fusionsreaktor) bedeute kostengünstige Energie für alle. Schon heute sei es durch Photovoltaik möglich, die kWh Strom für 2 Cent zu produzieren. „Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Erde sowie nachwachsende Ressourcen wie Holz sind für alle zugänglich und unerschöpflich“, skizzierte er die Vorteile dieses Wirtschaftens. Künstliche Intelligenz helfe darüber hinaus, die vorhandenen Ressourcen viel effizienter zu nutzen und Rohstoffe viel besser zu recyceln.

Klimaneutralität möglich

Um das 2°C-Ziel des Pariser Abkommens einzuhalten, müsste der Verbrauch fossiler Brennstoffe in den kommenden acht Jahren um die Hälfte reduziert werden. „Die Welt muss bis 2050 klimaneutral sein“, stellte Schellnhuber fest. Der globale Corona-Lockdown habe zu einem kurzfristigen CO²-Rückgang von 6 Prozent geführt, veranschaulichte der Klimaforscher die Dimensionen. Studien zeigten, dass dies mit regenerativen Energien möglich sei. „Solarenergie in Afrika, Australien und Mittelamerika, Windenergie in Teilen der USA, Russlands und Chinas; Brasilien und Kanada nutzen Wasserkraft“, stellte er die Ergebnisse der Wissenschaft dar. In den übrigen Ländern sei ein Mix aus alledem das Mittel der Wahl.

Holzhaus for Future

Daneben seien Holz und Bambus zentrale Baustoffe der Zukunft. Errichte man Gebäude mit Holz anstelle von Beton, speicherten sie automatisch CO². „Bauen wir für zwei Milliarden Menschen Häuser aus Holz, absorbiert das 75 Gigatonnen CO²“, veranschaulichte er die nachhaltige Bauweise. Schon heute könnten 20-stöckige Gebäude aus Brettsperrholz entstehen, die darüber hinaus feuerfest und erdbebensicher seien sowie ein viel besseres Raumklima aufwiesen. Dazu benötige es eine nachhaltige Aufforstung im Mittelmeerraum, der Sinai-Halbinsel oder Indonesien. Dass die Renaturierung von abgeholzten Flächen möglich sei, zeigten Projekte in Brasilien, wo auf kahlem Ödland nach 15 Jahren ein intakter Mischwald entstand.

3 Milliarden Klimaflüchtlinge

Die Chancen, die 2015 in Paris festgelegten Ziele zu erreichen, sah er bei 20 Prozent. Als maßgeblich für das globale Klima machte er den Amazonas-Regenwald, das Great Barrier Reef, die Eisschilde an den Polen, den Golfstrom sowie den Jet-Stream in 12 km Höhe aus. Würden diese Ökosysteme aufgrund der steigenden Temperatur zerstört, käme es zu irreversiblen Kipp-Punkten, die extreme Wetterereignisse wie z.B. Dürren zur Folge hätten. „Schmilzt das Eis der Arktis, bedeutet das einen Anstieg des Meeresspiegel um 50 Meter“, führte er die Auswirkungen vor Augen. Brüssel, New York oder Shanghai wären überflutet, die Malediven, Marshall-Inseln und weitere Staaten existierten nicht mehr. In Äquatornähe sei kein Leben mehr möglich, geschätzte 3 Milliarden Menschen müssten in andere Breitengrade umgesiedelt werden. Als Schlüssel sah der Wissenschaftler einen klimatischen „Nansen-Pass“ (Friedtjof Nansen, Hochkommissar für Flüchtlinge). Dabei müssten die Staaten viele dieser Klimaflüchtlinge aufnehmen, die in der Vergangenheit hohe CO²-Emissionen zu verantworten hatten.

ÖPNV und Bürgerenergie

Wissler, Vorsitzende der Linken, erläuterte, dass vom Klimawandel besonders die Armen auf unserem Planeten betroffen seien. Die Forderung „System Change, not Climate Change!“ sei somit ein sozialistisches Kernthema. Der Widerstand im Hambacher Forst und Dannenröder Wald zeigte, dass CO²-Speicher nicht zugunsten von Konzernprofiten geopfert werden dürften. Auch müsse Mobilität grundlegend verändert werden. „Autos, die 23 ½ Std. in Städten herumstehen, helfen nicht weiter“, sagte sie mit Blick auf den längst überfälligen Ausbau des ÖPNV. Dafür sei eine Umverteilung des Reichtums nötig, der die nötigen Investitionen in erneuerbare Energien und kostenlosen Nahverkehr ermögliche. Nicht börsennotierte Großkonzerne, sondern Bürgerenergie-Genossenschaften mit Solar- und Windparks auf Gemeindegebiet stellten die Zukunft der Energiewende dar.

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