„Gott mit uns“: Weiße US-Fundamentalisten und Donald Trump

15. Januar 2022  Politik, Unkategoisiert
Geschrieben von Daniel Schneider

Quelle: Medienexpedition

Über die Gefahren des christlichen Nationalismus in den Vereinigten Staaten berichtete die Journalistin Annika Brockschmidt. Sowohl die Rosa Luxemburg Stiftung wie auch das Kulturamt der Stadt Frankfurt a.M. hatten sie zu ihrem Buch „Amerikas Gotteskrieger. Wie die Religiöse Rechte die Demokratie gefährdet“ befragt.

Der Sturm auf das Kapitol

Am 6. Januar 2021 forderte der damals noch amtierende US-Präsident Donald Trump seine Anhänger auf, zum Kapitol zu ziehen. Nachdem sämtliche Gerichte die Klagen des Republikaners abgewiesen hatten, sah er in dem Demonstrationszug wohl eine Möglichkeit, die Zertifizierung der Wahlergebnisse (zugunsten des Demokraten Joe Biden) zu stoppen, um selbst zum rechtmäßigen Präsidenten ernannt zu werden. Mit der Erzählung von der „gestohlenen Wahl“ bediente Trump eine neue Variante der „Dolchstoß“-Lüge, welche die Schuld nicht bei sich, sondern beim politischen Gegner verordnete. Die Aufarbeitung seitens des Untersuchungsausschusses würden von den meisten republikanischen Abgeordneten boykottiert, erläuterte Brockschmidt. Vielmehr verbreiteten die Politiker*innen selbst Lügen: So sei der Sturm entweder ein „Inside-job“ des FBI gewesen, um Trump zu schaden oder es handele sich um einen Protest ehrenwerter Bürger*innen.

QAnon

Neben den Reden Trumps seien seine Anhänger auch von den sogenannten Q-Drops, Botschaften eines angeblichen Insiders Q, beeinflusst gewesen. Fans dieser QAnon-Bewegung propagierten einen angeblichen Kampf Trumps gegen den „Tiefen Staat“ (angebliche Verschwörung in Verwaltung, etablierter Politik, Militär). Dieses apokalyptische Denken, das demokratische Politiker*innen als kinderbluttrinkende Dämonen sieht, weist eine große Nähe zur Endzeit-Rhetorik fundamentalistischer Prediger*innen und weiterer Vertreter*innen des christlichen Nationalismus auf.

Christlicher Nationalismus

Diese Strömung wird einer Studien zufolge von 51,9 Prozent der US-Bevölkerung unterstützt bzw. positiv gesehen. Gemeinsam ist meist eine antidemokratische Einstellung, eine Befürwortung der Todesstrafe sowie das Eintreten für eine restriktive Einwanderungspolitik. Politik, Religion und Nation werden als eine Einheit gesehen, die es zu verteidigen gilt. Sprachrohr sind private Radiosender, die oft die Lücke des niedergegangenen Lokaljournalismus füllen. Als bekanntes Gesicht galt der 2021 verstorbene Radiomoderator Rush Limbaugh. Das Selbstverständnis der christlich-fundamentalistischen Rechten von „Fahne und Kreuz“ fasste Brockschmidt mit „Nur der konservative Christ kann ein guter Amerikaner sein“ zusammen.

White Supremacy und Sklaverei

Ihren Ursprung hat dieses Weltbild im Glauben des Auserwähltseins der amerikanischen Nation. So seien die Vereinigten Staaten als Land von (weißen) Christen für (weiße) Christen gegründet worden und stünden somit in der Nachfolge der Israeliten als Volk Gottes. In den Südstaaten wurde bis in die 1860er Jahre hinein die herrschende Sklaverei theologisch mit Stellen aus der Bibel legitimiert, wobei man sich jedoch nur jene Verse heraussuchte, welche die eigene politische Agenda bestätigten. Gut hundert Jahre später organisierten sich christliche Fundamentalist*innen, als mit der Aufhebung der „Rassentrennung“ auch Konfessionsschulen schwarze Kinder aufnahmen (oder wegen rassistischer Diskriminierung ihre Gemeinnützigkeit verloren). Neben der Überlegenheit der weißen Christ*innen wird oft ein patriarchales Familienbild inklusive des väterlichen Züchtigungsrechts propagiert.

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