Kooperation statt Kapitalismus

23. April 2021  Politik
Geschrieben von Daniel Schneider

Am 20. April 2021 fand ein viel beachtetes Online-Treffen des Regio-Mark e.V. statt. Dort wurden Grundsätze genossenschaftlichen Handelns von Mitgliedern der International Cooperative Alliance (ICA) sowie von Frank Bemmerlein, Experte für das Genossenschaftswesen, vorgestellt und diskutiert. Des weiteren berichteten Aktivist*innen aus verschiedenen afrikanischen Ländern von ihren aktuellen Projekten.

Genossenschaften in Afrika

Sie leben in Kenia, Tansania, Malawi, Mosambik oder Uganda, doch sind sie trotz ihrer unterschiedlichen Herkunftsländer geeint: Die Mitglieder der ICA, die als unabhängige und nichtstaatliche Genossenschafts-Organisation weltweit rund 800 Millionen Menschen vertritt. Kirianki Imanyara von der Cooperative University of Kenya berichtete, dass sich die Genossenschaftsbewegung großer Beliebtheit erfreue. „Am 1. Samstag im Juli, dem Internationalen Genossenschaftstag, sind im ganzen Land Mitglieder auf der Straße“, engagiert für die kooperative Wirtschaftsform.

Inklusiv und demokratisch

Ausschlaggebend für diesen gesellschaftlichen Zusammenhalt sind sieben Grundsätze, die seit 1995 für alle Teilnehmenden verpflichtend sind. Die freiwillige und offene Mitgliedschaft beugt staatlicher Zwangsvereinigungen vor und verhindert einen Club nur für Reiche. Gleiches gilt für den Grundsatz der Autonomie und Unabhängigkeit. Eine demokratische Kontrolle anhand des Spruchs „One man, one vote“ sieht die Menschen, nicht das Investitionskapital (wie bei Aktienanteilen) im Mittelpunkt. In der Generalversammlung können die demokratischen Grundlagen aktiv gelebt werden. Dieses aktive Handeln zeigt sich ebenfalls in der wirtschaftlichen Teilhabe der Mitglieder, die durch Eigenkapital erfolgt. Gewinne werden jedoch gleichmäßig ausgeschüttet. Fortbildung und Information zielen auf ständige Weiterbildung der Mitglieder ab. So erhalten durch die ICA über 5.000 Genossenschaften in Tansania praxisorientierte Workshops.

Zusammenarbeit und Nachhaltigkeit

Die Zusammenarbeit mit anderen Genossenschaften stellt einen Gegenpol zum egoistischen, gewinnmaximierenden Kapitalismus dar. Statt gegenseitiger Konkurrenz und Kampf um Absatzmärkte oder möglichst geringe Produktionskosten gilt hier Teamarbeit: Wo gibt es Gemeinsamkeiten, wie können Synergien erzielt werden? Wer hat ein gutes Best-Pratice-Beispiel, das sich auch auf die eigene Kooperative anwenden lässt? Ergänzt wird dieses ökonomische Miteinander mit der sozialen Vorsorge für die Gemeinschaft: Welche Produktionsmethoden sind am nachhaltigsten für die Umwelt, durch welche Projekte kann der Gesellschaft am besten geholfen werden?

Gemeinwohl-Bilanz

Beispielhaft für diese wirtschaftlichen und ökologischen Grundlagen steht die Orientierung an der Gemeinwohl-Bilanz, welche die Genossenschaftsmitlieder bei einem Besuch in Bayern kennenlernten. Die Genossenschaft TAGWERK in Erding und München-Garching richtet Erzeugung und Verkauf ihrer Biomarkt-Produkte nach dieser Bilanz aus und erzielte zuletzt insgesamt 626 der maximal möglichen 1.000 Punkte. Wurden die sozialen Folgen der Produkte mit gut bewertet, besteht bei „Demokratie und Transparenz des Unternehmens“ noch deutlicher Verbesserungsbedarf.

Zukunftsweisend für Gesellschaft

Einigkeit bestand unter den Teilnehmern des Online-Treffens, dass sowohl die genossenschaftlichen Grundsätze als auch die Praxisbeispiele aus Bayern zukunftsweisend sind. „Grundsätzlich sollten die Kriterien des genossenschaftlichen Arbeitens beispielhaft für die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft unserer Länder sein“, ist sich Kirianki Imanyara sicher.

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